Kalkulation Genussrechte Geldanlage

Genussrechte: Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um Genussscheine, Chancen sowie Risiken und den passenden Emittenten.

Was sind eigentlich Genussrechte und wozu brauche ich Genussscheine? Für wen ist die Einlage besonders geeignet und wie finde ich einen seriösen Herausgeber? Wo sind die Chancen und Risiken der Geldanlage? Ich erkläre Ihnen Schritt für Schritt alle wichtigen Daten und Fakten zum Thema Genussrechte – anschaulich und leicht verständlich.

Fragen und Antworten. Genussrechte: Das sollten Sie wissen:

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Anleihen einmal anders erklärt :-)

Eine sehr amüsante aber im Prinzip korrekte Erklärung wie Anleihen funktionieren. Dabei ist schön zu erkennen wie falsch und manipuliert unser Finanzsystem sein kann. (Quelle: Youtube.de)

1. Was bedeutet der Begriff „Genussrechte”?

Die Bezeichnung "Genussrechte" könnte etwas irreführend in die Welt der Gourmets führen, hat aber mit kulinarischen Delikatessen nichts zu tun. Es ist ein juristischer Begriff, der aus der Finanzwelt kommt und eine Form der Geldanlage bezeichnet. Für jeden, der sein Geld gewinnbringend, aber risikofreudig anlegen möchte, ist das Genussrecht eine interessante Form der Anlage. Genussrechte als Beteiligungsform ist ausschließlich in deutschsprachigen Raum (DACH) möglich.

Genussschein Entscheidung

Als Genussrechtsinhaber zahlen Sie eine Einlage in ein Unternehmen und sind somit am Vermögen des Unternehmens beteiligt. Sie nehmen also am Gewinn, aber auch am Verlust direkt teil. Macht das Unternehmen Verluste, so kann das Genussrechtskapital zur Deckung herangezogen werden. Der Rückzahlungswert der Scheine wird somit gesenkt. Als Genussrechte-Inhaber haben Sie keine Verwaltungs- bzw. Mitgliedschaftsrechte wie zum Beispiel ein Stimmrecht innerhalb des Unternehmens. Seitens des Herausgebers ist das Genussrecht inzwischen eine beliebte Allzweckwaffe im Bereich der Unternehmensfinanzierung und wird insbesondere im Bereich der Mitarbeiterbeteiligung, Projektfinanzierung und Unternehmenssanierung eingesetzt.

Wahrscheinlich haben Sie im Zusammenhang mit Genussrechte auch schon von „Genussscheinen“ gehört. Auch das sind keine Coupons zum Kantinen-Verzehr, sondern ein Begriff aus dem Genussrecht. Missverständlicherweise werden die beiden Begriffe oft syonom verwendet. Allerdings spricht man von Genusscheinen erst, wenn Genussrechte als Wertpapiere verbrieft werden. Denn die Existenz eines Genussrechts ist an sich an keinerlei Schein oder Urkunde gebunden.

2. Wie kann eine Beteiligung an Genussrechten aussehen – welche Gestaltungsmöglichkeiten gibt es?

Dass Genussrechte gesetzlich nicht näher definiert sind, bietet den Unternehmen bzw. Herausgebern bei der Gestaltung großen Spielraum. Klassische Merkmale der Anlageform sind flexible Laufzeitgestaltung, hohe Rendite und Ihre Risikobereitschaft als Anleger. Denn im Falle einer Insolvenz oder einer Liquidation (Verkauf oder Auflösung des Unternehmens) wird Ihre Einlage erst zurückgezahlt, wenn alle anderen Gläubiger vollständig ausgezahlt wurden. Es ist also denkbar, dass es zu einem Totalverlust Ihrer Genusscheine also Ihrer Geldanlage kommt.

Ein Genussrechtsvertrag zwischen Ihnen als Anleger und dem/der Emittent/in (Bezeichnung für Unternehmen, die zum Zwecke der Kapitalbeschaffung Wertpapiere oder ähnliche Urkunden ausgeben) regelt, unter welchen Voraussetzungen und in welcher Höhe Zinsen gezahlt werden bzw. Ausschüttungen erfolgen (sog. Gewinnbeteiligung). Üblicherweise setzen Ausschüttungen auf das Genussrechtskapital einen ausreichenden Jahresüberschuss oder einen Bilanzgewinn voraus. Wenn diese Voraussetzung nicht erfüllt ist, erfolgt für das Geschäftsjahr keine Ausschüttung. Üblich ist jedoch ein Anspruch der Genussrechtsgläubiger auf Nachzahlung ausgefallener Zinsansprüche aus den Gewinnen der Folgejahre.


Genussschein Verlauf

Genussrechte: Die wichtigsten Merkmale von Genussrechtsbeteiligungen
auf einen Blick:

3. Was passiert mit meinen Zinsen bzw. meiner Gewinnbeteiligung, wenn das Unternehmen Verluste oder sogar Pleite macht?

Die Bedingungen des Genussrechtsvertrags regeln klar wie die Verlustbeteiligung aussieht und wie ein Bilanzverlust von dem Genussrechtskapital zu tragen ist. Erwirtschaftet das ausgebende Unternehmen keine Gewinne, stehen Ihnen als Anleger in Genussrechte dieses Unternehmens auch keine Zinsen zu. Erwirtschaftet der Emittent Verluste, schrumpft meist das eingezahlte Kapital gleich mit – zumeist im gleichen Verhältnis wie das gesamte verlusttragende haftende Eigenkapital. Der so ermittelte Verlustanteil wird von dem Genussrechtskapital abgezogen. Sofern in den Folgejahren positive Jahresergebnisse erwirtschaftet werden, werden diese regelmäßig zunächst zur Wiederauffüllung der Rückzahlungsansprüche des Genussrechtskapitals verwendet.

Sofern nach einer Verlustbeteiligung die Gewinne der Folgejahre nicht ausreichen, um den von dem Genussrechtskapital zu tragenden Verlustanteil auszugleichen/wiederaufzufüllen, so bekommen Sie als Investor zur Endfälligkeit nicht die volle Höhe Ihres zur Verfügung gestellten Kapitals zurück. Im Falle einer Insolvenz oder einer Liquidation (Verkauf oder Auflösung des Unternehmens) wird Ihre Einlage erst zurückgezahlt, wenn alle anderen Gläubiger vollständig ausgezahlt wurden. Es ist also denkbar, dass es zu einem Totalverlust Ihrer Genusscheine bzw. Ihrer Geldanlage kommt.

4. Sind meine Genussrechte übertragbar bzw. kann ich sie vor Ablauf der Laufzeit kündigen?

Genussschein Kündigung

In der Praxis werden Genussscheine meist als Inhaberpapiere herausgegeben. Das heißt, derjenige, der die verbrieften Leistungen (Zinsen, Ausschüttungen) erhält, nicht namentlich genannt wird, sondern jeder Inhaber der Wertpapiere die festgesetzten Leistungen erhält.

Deshalb sind Genussrechte durch Abtretung auch leicht übertragbar – was sie für den Käufer umso attraktiver macht. Die Laufzeit bzw. Kündigung der Genussrechts-Beteiligung kann – wie alle Bedingungen – sehr unterschiedlich geregelt werden. Entweder wird ein fixer Beendigungszeitpunkt gewählt oder eine Mindestlaufzeit im Sinne einer Kündigungsausschlussfrist.

In letzterem Fall können Sie als Investor unter Beachtung der in den Genussrechts-Bedingungen geregelten Kündigungsfrist die Beteiligung durch Kündigung beenden. Achten Sie also bei der Zeichnung von Genussrechten unbedingt genau auf Ihre Kündigungsmöglichkeiten bzw. lassen Sie sich rechtlich beraten.

5. Wie sehen die Chancen und Risiken des Genussrechts für den Anleger im Überblick aus?

Chanche oder Risiko? Vor- und Nachteile der Geldanlage Genussrechte im Überblick:
Genussrechte: Chancen Genussrechte: Risiken
Zinssatz liegt deutlich über dem Niveau des Zinses auf Spareinlagen Totalverlustes der Einlage
Sicherheiten je nach Vertrag; z. B. bei Minderung des Genussrechtskapitals wird aber in nachfolgenden Totalverlust noch nicht vorgenommener Zinszahlungen
Gewinnphasen wieder aufgefüllt Beim Verkauf von Genussrechte vor Ablauf der Laufzeit, kann es zu Kursverlusten kommen
leicht übertragbar  

6. Ich interessiere mich für Genussrechte. Worauf muss ich bei der Wahl des Unternehmens achten?

Aufgrund der Risiken sollten Sie als Anleger nur dann in Genussrechte investieren, wenn sie sich vorher sehr gut über den Emittenten/in informiert haben und Vertrauen in das herausgebende Unternehmen haben. Prüfen Sie die stark variierenden Genussrechtsbedingungen verschiedener Angebieter genau – nur so können Sie vergleichen und den für Ihre Bedürfnisse besten Anbieter finden.

Wie sieht Ihre persönliche Rendite aus und wie sicher ist Ihr Zins bzw. Ihre Rückzahlung? Wissen Sie etwas über die geplanten Investitionen des Unternehmens? Wie erfolgsversprechend und transparent sind dessen Projekte? Wie posititioniert sich der/die Emittent/in auf dem Markt – wie sehen die Zukunfterwartungen aus? All diese Fragen sollten Sie vor der Zeichnung von Genussrechten genau durchdacht haben.

Achten Sie darauf wie glaubwürdig und transparent sich das Unternehmen bislang nach außen dargestellt hat.

Folgende Qualitäts- und Vertrauensmerkmale sollten Sie vor der Zeichnung
der Genussrechte unbedingt berücksichtigen:

Dies sind Anhaltspunkte für den zu erwartenden wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens. Wer ein Genussrecht herausgibt, ist verpflichtet, einen Verkaufsprospekt zu veröffentlichen. Dieser Prospekt wird von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) darauf geprüft, ob er formal alle gesetzlich geforderten Angaben enthält. Lesen Sie diesen Prospekt gründlich, um mehr über das Geschäftsmodell, die Entwicklung und die Zukunftspläne des Unternehmens zu erfahren.

Er enthält insbesondere auch die Beschreibung der spezifischen Genussrechtsbedingungen sowie eine ausführliche Darstellung der mit der Investition verbundenen Risiken. Nutzen Sie aber natürlich auch fremde, neutrale Quellen um Wissenswertes über das herausgebende Unternehmen zu erfahren.

Anzahl der Suchanfrage zum Begriff "Genussrechte" seit 2004

7. Direkter Vertrieb oder Vermittler – welcher Weg ist der richtige für mich als Anleger in Genussrechte?

Wege als Genussrechte-Anleger

Genussrechte bzw. Genussscheine werden oftmals direkt vom Emittenten vertrieben. Eine weitere Art des Vertriebs ist der Weg über einen Vermittler. Für Sie als Interessent bzw. Käufer hat dieser Weg den Vorteil, dass Finanzvermittler – im Gegensatz zum Direktvertrieb – unter strengen Auflagen arbeiten und vermitteln. Außerdem fallen Genussrechte nicht unter das im Juli 2013 in Kraft getretene neue Kapitalanlagegesetzbuch, das die Regeln für den Verkauf aller anderer Geldanlagen deutlich verschärft hat. Daher ist es ratsam, sich zumindest eingehend über den Emittenten bzw. das zu finanzierende Projekt vorab zu informieren, ggf. den Weg über einen erfahrenen Vermittler zu suchen und sich intensiv beraten zu lassen.

8. Welche anderen Möglichkeiten zur Geldanlage neben Genussrechten gibt es?

Der Erwerb von Genussscheinen ist natürlich nur eine Möglichkeit Vermögen anzulegen und zu vermehren. Wir stellen Ihnen die wichtigsten und gängigsten Geldanlageformen vor:
Geldanlage: Besonderheiten: Risiko: Laufzeit/Gewinnchancen:
Sparbriefe Sparbrief ist ein von einem Kreditinstitut angebotenes festverzinsliches Anlageprodukt risikoarm, Verzinsung ist für die gesamte Laufzeit festgelegt und damit im Voraus überschaubar Laufzeitenskala reicht bis zu zehn Jahren; Rendite von bis zu 4,6 % bei 10 Jahren Laufzeit
Festverzinsliche Wertpapiere Festverzinsliche Wertpapiere sind Anleihen, deren Verzinsung als bestimmter, zu festgelegten Stichtagen zu zahlender Prozentsatz des Nominalwerts festgelegt ist eher wenig Risiko – sehr sicher gelten beispielsweise deutsche Staatsanleihen konstant gleich bleibende Verzinsung über die gesamte Laufzeit, Höhe abhängig von der LZ: bei 5-jähriger Laufzeit bis zu 8 %, 5,5 % bei einem Jahr LZ
Investmentfonds Geld der Anleger wird in einem Sondervermögen gebündelt und in einem oder mehreren Anlagebereichen investiert; es gibt unzählige Varianten wie Rentenfonds, Aktienfonds, Mischfonds, Dachfonds, Immobilienfonds, Hedgefonds abhängig von der Form, geschlossene Form evtl. mit Totalverlust Erträge werden ausgeschüttet oder reinvestiert; bei offenen Fonds können Anteile zu jeder Zeit erworben, vor allem aber auch zurückgegeben werden; bei geschlossenen Fonds: unternehmerische Beteiligungen mit meist einer begrenzten Laufzeit, Anteilsrückgabe ist nicht möglich; höchste Rendite (bis zu 22%)
Aktienfonds Ein Aktienfonds ist ein Investmentfonds, der ausschließlich oder zum überwiegenden Teil in Aktien investiert Risiko höher, aber durch gute Vorabinformation kalkulierbar Spitzenfonds bis zu 25 % Rendite, längere Anlagedauer – höhere Rendite
ökologische/nachhaltige Geldanlage Im Unterschied zu gewöhnlichen Geldanlagen mit den Aspekten Rendite, Risiko und Liquidität spielt bei nachhaltigen Geldanlagen zusätzlich die ökologischen bzw. sozialen Leistungen eines Unternehmens eine Rolle Sehr unterschiedlich hoch – je nach Anlageform (Sparbrief, Anleihe, Fonds, etc.) Sehr unterschiedlich hoch – je nach Anlageform; allerdings zweite Renditechance: Geld arbeitet für den „guten Zweck“
Lebensversicherungen sehr beliebte Kapitalanlage, eine Individualversicherung, die den Tod der versicherten Person wirtschaftlich absichert sehr sicher und in einigen Fällen auch steuerlich begünstigt niedrige Rendite bis zu 5 %
Tagesgeld und Festgeld Festgeld wird über einen bestimmten Zeitraum angelegt – ohne Zugriff; Tagesgeld ist jederzeit verfügbar, Mindesteinlage niedriger kaum Risiko – sehr hohe Sicherheit, Tagesgeld: evtl. Zinsschwankungen Festgeld: sichere Zinseinkünfte für den gewünschten Zeitraum und die gewünschte Anlagesumme, Kapitalverluste ausgeschlossen, wenig Rendite
Aktien Aktien sind Anteile an einem Unternehmen, das sich damit bei den Käufern (Aktionäre) Eigenkapital verschafft; fundierte Informationen notwendig um Risiko zu minimieren (Geschäftsmodell muss verständlich und langfristig überzeugend sein) sehr hohes Risiko, evtl. Totalverlust rentabelste Kapitalanlage: Gewinne Unternehmen = Dividende für den Anleger = gleichzeitig Kurssteigerung
Zertifikate Zertifikate sind Schuldverschreibungen eines Emittenten, meist einer Bank; Anleger kann in praktisch alles und auf fast jede erdenkliche Weise investieren; sehr populär, gute Vorabinformation unabdingbar hohes Risiko, eher etwas für „Finanzprofis“, da Inhalte oft sehr komplex, evtl .Totalverlust kein fester Zinssatz, gute Renditechancen, Rückzahlung richtet sich nach der Wertentwicklung bestimmter Basiswerte wie Aktien, Indizes oder anderer Vermögenswerte
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9. Wie werden die Zinsen aus Genussrechten steuerlich behandelt?

Genussrechtszinsen sind Einkünfte aus Kapitalvermögen

Die Genussrechtszinsen sind Einkünfte aus Kapitalvermögen und unterliegen somit der Abgeltungssteuer. Das bedeutet, sie müssen pauschal mit 25 % zuzüglich 5,5 % Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer bezogen auf die Abgeltungssteuer versteuert werden. Dies gilt auch für Anleger, deren persönlicher Einkommensteuersatz höher ist als 25 %. Wenn Sie einem niedrigeren Steuersatz als 25 % haben, besteht die Möglichkeit, den Teil der abgeführten Steuer, der über Ihren Einkommenssteuersatz hinausgeht, zurück zu erhalten. Gleiches gilt, wenn Ihre Zinseinkünfte unter dem aktuellen Freibetrag von 801 Euro pro Person (bei gemeinsam veranlagten Personen 1.602 Euro) bleiben. Bis zu diesem Betrag sind die Genussrechtszinsen steuerfrei (Stand: Dezember 2010), und Sie haben Anspruch auf Erstattung der bereits abgeführten Steuern. Die Erstattung erfolgt im Rahmen Ihrer persönlichen Einkommensteuererklärung.

10. An wen können sich Genussschein-Inhaber wenden, wenn es zu Streitigkeiten und Problemen oder zu einer Insolvenz beim Emittenten kommen sollte oder das Risiko steigt?

Drohende Insolvenz naht – soll ich mein Geld im Unternehmen belassen? Kündigen und klagen? Soll ich meine Genussrechte lieber verkaufen? Wie sieht der Ablauf eines möglichen Insolvenzverfahrens aus? Probleme mit Emittenten können immer auftreten. Aber wer hilft Ihnen als Anleger in diesen Situationen weiter? Wer berät Sie fachgerecht und neutral? Zum einen können Genussrechts-Anleger sich an die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger SdK – der unabhängige Verband der Aktionäre und Kapitalanleger – wenden. Mit etwa 12.000 Mitgliedern zählt diese zu den größten Vereinen in diesem Bereich. Hier finden Sie als Genussschein-Inhaber rechtliche Beratung u. a. über eine Rechtshotline. Außerdem ist die Sdk spezialisiert auf Rechtsfindung in grundsätzlichen aktienrechtlichen Fragen durch das Führen gerichtlicher Verfahren, Klagen gegen eklatante Verletzungen der Interessen der Anleger und Unterstützung in Schadensersatz- oder Prospekthaftungsfällen. Weitere Informationen finden Sie unter www.sdk.org. Außerdem stehen Genussrechts-Anlegern natürlich die Verbraucherzentralen des jeweiligen Bundeslandes bei Fragen und Problemen mit Rat und Tat zur Seite. Direkten Kontakt zu einem geeigneten Ansprechpartner finden Sie unter www.verbraucherzentrale.de.

11. In der Presse ist im Zusammenhang mit Genussrechten aktuell häufig die Rede vom „Grauen Kapitalmarkt“. Was bedeutet das?

Genussrechte auf dem grauen Kapitalmarkt

Der „Graue Kapitalmarkt“ ist eine wirtschaftliche bzw. rechtliche Grauzone. Dazu gehören unter anderem Geschlossene Fonds, Genussrechte oder Schuldverschreibungen. Wo der graue Kapitalmarkt anfängt und wo er aufhört, können selbst Experten nur schwer festmachen. Deshalb merken Anleger auch gar nicht, wenn sie den Boden sicherer Finanzgeschäfte verlassen. Die wichtigsten Merkmale dieser Finanzprodukte sind wenig Sicherheit, ein extrem hohes Risiko seitens des Anlegers und, dass Sie fast keinen staatlichen Kontrollen unterliegen. Wer zum Beispiel Genussscheine zeichnet, kann oftmals davon ausgehen, dass der Emittent kaum Transparenz bietet und der private Investor wenig Anlegerschutz genießt. Zum Thema "Grauer Kapitalmarkt" gibt es einen guten Videobeitrag in der ZDF-Mediathek.

12. Was tut die Politik, um Anleger besser zu schützen?

Politische Regelungen für Finanzmärkte

Im Koalitionsvertrag 2013 wurde unter den "Regeln für Finanzmärkte" zwar folgender Grundsatz festgesetzt "Kein Finanzmarktakteur, kein Finanzprodukt und kein Markt darf in Zukunft ohne angemessene Regulierung bleiben." – wie diese "angemessene Regulierung" durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) konkret aussieht, bleibt die Regierung den Anlegern allerdings noch schuldig. Hierzu gibt es bislang noch keinen Gesetzesentwurf.

13. Warum geben die Unternehmen Genussrechte aus und lassen sich nicht durch klassische Bankkredite finanzieren?

Vor allem junge, kleine und mittelständische Unternehmen stehen häufig vor dem Problem über wenig Eigenkapital zu verfügen und dennoch notwendige Investitionen machen zu müssen, die von den Banken nicht finanziert werden. Warum? Klassischen Bankdarlehen liegt eine Bonitätseinschätzung zu Grunde. Das heißt Unternehmen wird in einem bankinternen Ratingverfahren eingestuft und wegen des häufig zu geringen Eigenkapitals als nicht geeignet abgewiesen. Ein geringes – oder gar negatives Eigenkapital – wird bei den Banken als schlechte Bilanzstruktur eingestuft und daher ist das Risikio einer Vollfinanzierung von Investitionen für diese oftmals zu hoch.

14. Statt Genussrechte herauszugeben könnten sich Unternehmen doch neue Gesellschafter suchen, die finanzielle Unterstützung bieten?

Gesellschafter als finanzielle Unterstützung

Um Investitionen zu machen, benötigt ein Unternehmen Eigenmittel oder eigenkapitalähnliche Mittel. Sind diese nicht vorhanden, müssen vor allem kleine oder mittelständigsche Unternehmen oftmals alternative Finanzierungswege finden. Ein Weg wäre die Aufnahme eines neuen Gesellschafters, dieser hätte allerdings auch weitgehende Mitspracherechte. Die Entscheidungsfreiheit des Unternehmers ist somit erheblich eingeschränkt. Viele Unternehmen suchen sich daher einen alternativen Weg zur Finanzierung.

15. Welche Vorteile entstehen für Unternehmen, wenn sie Genussrechte herausgeben?

Genussrechte sind Teil der Mezzanine-Finanzierungen. Als Mezzanine-Finanzierung (ital. Mezzanine: „Zwischengeschoss”) bezeichnet man Kapitalformen, die zwischen Eigenkapital und Fremdkapital liegen. Das Genussrechts-Kapital stellt somit eine Mischform zwischen Eigen- und Fremdkapital dar und kann damit die Lücke zwischen Krediten und Eigenkapital schließen. Genussrechts-Kapital bietet dadurch zahlreiche Vorteile: Im Rahmen eines Ratings durch die Wertung des Genussrechts-Kapitals als wirtschaftliches Eigenkapital, verbessert sich die Bilanzstruktur und Einstufung des Unternehmens. So erleichtert sich zum Beispiel auch die Aufnahme weiteren Fremdkapitals. Dadurch, dass der Anleger keinerlei Stimmrecht genießt, kommt es nicht zu einer Verwässerung der Eigentumsverhältnisse. Ein weiterer entscheidender Vorteil ist die große Flexibilität bei der Ausgestalltung der Genussrechte.

16. Was bedeutet es für den Genussschein-Inhaber, dass ihm keinerlei Stimm- und Einflussnahmerecht gewährt wird?

Ein Genussschein verbrieft in der Regel Vermögensrechte eines Anlegers, im Gegensatz zur Aktie jedoch nicht dessen Stimmrecht. Das heißt Genussrechtsinhaber besitzen kein Stimmrecht, das sie auf Hauptversammlungen ausüben können. Damit haben sie keinerlei Einfluss auf wichtige unternehmerische Entscheidungen wie zum Beispiel Investionsstrategien und keinen Einblick in aktuelle Bilanzen der Genussschein-Emittenten.

17. Was bedeutet im Zusammenhang mit Genussrechten der Begriff „Nachrangigkeit“?

Anleger als nachrangige Gläubige

Die Besitzer von Genusscheinen bzw. von Genussrechten gelten als nachrangige Gläubige. Das heißt, im Falle einer Insolvenz des Emittenten der Genusscheine werden diese Anleger so gestellt, dass Sie wie Aktionäre behandelt: Das heißt der Anleger bekommt sein eingezahltes Geld erst dann zurück, nachdem alle anderen Kreditgeber ihr Geld erhalten haben. Das bedeutet, Genussscheine stehen im Rang hinter anderen Verbindlichkeiten zurück. Alle nicht im Nachrang emittierte Anleihen werden vorgezogen und zuerst aus der Insolvenzmasse befriedigt. Im schlimmsten Fall kann es zum Totalverlust des angelegten Kapitals kommen.

18. Was sind Verlustbeteiligungen und sind sie auch Charakteristika von Genusscheinen?

Auch die Verlustbeteiligung ist ein wesentliches Merkmal von Genussrechten. Erwirtschaftet der Emittent der Genussrechte einen Jahresfehlbetrag bzw. einen Bilanzverlust wird dieser vom Genussrechtskapital getragen – also abgezogen. Das Genussrechtskapital nimmt also bedingungsgemäß an diesem Verlust teil. Das kann bedeuten, dass der Anleger zum Zeitpunkt der Entfälligkeit nicht die volle Höhe seiner Anlage erstattet bekommt. Wenn allerdings in den Folgejahren wieder positiv bilanziert wird, wird das Genussrechtskapital wieder aufgefüllt und somit die Rückzahlungsansprüche aufgestockt.

19. Die/der Emittent/-in Ihrer Genussscheine bzw. Genussrechte meldet Insolvenz an. Gibt es eine Möglichkeit, sich juristisch zu wehren?

Mahnbescheide oder eine per Klage erwirkte Zwangsvollstreckung sind fast aussichtslos. Der Insolvenzverwalter hat das Recht, solche Zwangsvollstreckungen größtenteils zu untersagen.

Eine Möglichkeit, sich eine bessere Ausgangsposition zu verschaffen, ist eine Klage zur Beseitigung des Nachrangs der Genussrechte bzw. der Genussscheine. Im Erfolgsfall würde der Kläger vor den anderen Genussrechteinhabern und gleichrangig mit anderen Gläubigern entschädigt. Die Erfolgsaussichten sind laut Verbraucherschützern aber unsicher.

Können Anleger dem Unternehmen aber zum Beispiel falsche Beratung beim Erwerb der Geldanlagen – hier der Genussscheine – nachweisen, können sie ihre Position in der Reihenfolge der Gläubiger verbessern. Ein Rechtsstreit kann in vielen Fällen für Anleger von Genussrechten jedoch ziemlich teuer werden.

20. Ist das Kapital, dass ich als in die Geldanlage Genussrechte investiert habe im Falle einer Insolvenz des herausgebenden Unternehmens zwangsläufig verloren?

Nicht zwangläufig. Die/der Emittent/-in gibt zwar durch die Insolvenz des Unternehmens an, zahlungsunfähig zu sein, oftmals liegen aber zusätzlich zum Kapital große Sachwerte vor. Diese können im Insolvenzverfahren veräußert werden. Wie viel von Ihrer Geldanlage in Genussrechte Sie am Ende erwarten können, ist allerdings völlig unklar. Ihre Erwartungshaltung als Anleger sollte allerdings nicht allzu groß sein, da Genussrechte nachrangig gegenüber allen anderen Forderungen der Gläubiger behandelt werden und sich Insolvenzverfahren oftmals über Jahre hinziehen können.

21. Kann ich mich als Anleger bei der BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) beraten lassen, wenn ich mich für Genussrechte eines bestimmten Emittenten interessiere?

Die BaFin darf Kapitalanleger nicht bei Ihren Anlageentscheidungen beraten. Für die Entscheidung, ob eine Einlage in Genussrechte eine Investmentchance oder ein Risiko darstellt, sind Sie als Anleger selbst verantwortlich. Die BaFin gibt allerdings Auskunft darüber, ob ein Emittent zugelassen ist oder nicht. Listen mit den Namen zweifelhafter Anbieter bieten häufig örtliche Verbraucherzentralen an. Es zahlt sich für Kapitalanleger, die in Genussrechte investieren wollen auch aus, regelmäßig die Wirtschafts- und Finanzpresse zu studieren. Hier werden häufig Listen mit unseriösen Emittenten und Projekten veröffentlicht. Die BaFin rät Anlegern, erst in Genussrechte zu investieren, wenn man das Geschäftsmodell eines Emittenten genau nachvollziehen kann und sich ausführlich darüber informiert hat.

22. Gilt die sogenannte Prospektpflicht auch für Genussrechte?

Werden Wertpapiere öffentlich angeboten oder sind sie zum Handel an einem organisierten Markt zugelassen, ist laut BaFin grundsätzlich ein Prospekt zu erstellen. Daher besteht auch bei Genussrechten eine Prospektpflicht. Mit dem Anlegerschutzverbesserungsgesetz ist diese Prospektpflicht auch auf nicht wertpapierverbriefte Vermögensanlagen ausgedehnt worden. Damit unterliegt auch das öffentliche Angebot von Kommanditbeteiligungen, Fondsbeteiligungen, stillen Beteiligungen, partiarischen Darlehen und wertpapierlosen Genussrechten grundsätzlich der gesetzlichen Prospektpflicht. Allerdings gibt es auch hier eine ganze Reihe von Ausnahmefällen, bei denen keine Prospektpflicht besteht. Weiterführender Link zur BAFIN »

23. Wie zuverlässig und glaubwürdig sind die Genussrechts-Informationen in diesen Prospekten?

Jeder Prospekt eines Emittenten wird von der BaFin geprüft und abgesegnet. Damit soll für den „Grauen Kapitalmarkt“ ein Rechtsrahmen geschaffen werden, der sich dem des regulierten Kapitalmarktes annähert. Zum einen wird von der BaFin bei den eingereichten Prospekten überprüft, ob alle Angaben, die das Wertpapierprospektgesetz und die EU-Prospekt-Verordnung vorschreiben, enthalten sind und ob diese auch verständlich sind. Zum anderen wird nachgeprüft, ob sich die im Prospekt enthaltenen Angaben nicht inhaltlich widersprechen. Allerdings wird von der BaFin nicht geprüft, ob das dargelegte Geschäftsmodell schlüssig ist und ob die Renditeerwartungen des Anbieters angemessen oder die versprochene Verzinsung der Anlage marktgerecht.


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